Neujahrsspruch
von Paula Grogger-Autorin von Grimmingtor

Wanns im Fruahjahr aper wird
Und beim Roan a Bleamerl blüaht,
Buck die nieder, weil´s wohl gwiß
Dir zur Freud erschaffen is.

Wanns im Summer auf dein Huat
Irmer einmal dunnern tuat,
Schreck di´ net und denk dir eb´n;
Sun und Wolken san ma geb´n.

Und im Hirbst wann´s nacher Traub´n
Apferla und Birn zsammklaub´n,
Nimms nur an, es ghört schon dein,
S´wird a Lohn für Arbeit sein.

Aft im Winter, wanns schön schneibt,
Daß ma schier gar stecken bleibt,
Mußt die Sach zum Kripperl trag´n
Und recht liab „ Vergeltsgott “ sag´n!
Mehr Liab

Má braucht wen, den má gernhabm kann,
má braucht wen, der oan mag,
á Liab braucht má vá Kindheit an,
á Lebm lang, Tag für Tag.
Wia d' Pflanzn áf á Wasser wart',
dá Acker áf án Dung,
so wart dá Mensch áf d'Liab recht hart,
des gi]t für Alt und Jung.

Má geht so leicht an oan vorbei,
als wann er garnet wá',
án andern übersáh má gleih
und er tuat's aftát áh.
Má braucht wen, den má gernhabm kann
und dem má was bedeit,
aft is für üns ván Anfang an
und oiwei Weihnachtszeit.

 

GEDANKEN ZUM NEUEN JAHR

Ich wünsche dir Zeit!

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben,
ich wünsche dir nur; was die meisten nicht haben.

Ich wünsche dir Zeit, dich zu freuen und zu lachen;
und wenn du sie nutzt, kannst du etwas daraus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.

Ich wünsche dir Zeit, nicht zum Hasten und Rennen,
sondern dir Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit, nicht nur so zum Vertreiben,
ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben,
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun;
anstatt nach der Zeit auf die Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, daß heißt, um zu reifen.

Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde ,,als Glück zu empfinden".

Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

 


Gádábett- G’sángl

Bleib hiazt schö‘ liegn mei’ Bua,
aftát schlafst gleih,
mach deine Äugerl zua,
heitschi, hei, hei.
Halt de kloan Hánderl z‘samm,
’s Schutzengerl die’,
wird wieder Nachtwach’ ham,
kann nixi sei’.

D’Docká liegt áh bá dir,
liegt ganz herbei,
schloif ná schö‘ zui zán ihr,
heitschi, hei, hei.
Kimmt aft dá Trám dáher,
du, des wird schö’,
derfst wiará großer Herr
duris Trámlándl geh’.

Mach deine Äugerl zua,
draußt geht dá Wind,
schlaf schö’ bis in dá Fruah,
bist á bráv’s Kind.
Woach is dei’ Bettl g’macht,
neidát dás frei —
so hiazt schlaf, guade Nacht,
heitschi, hei, hei.
 

 


Friedfertigkeit

Friedferti' sein is garnet leicht,
oft tuat's á Guat, aft geht's án Eicht,
áf oamoi kimmt dá was dáquer,
da nutzt dá guate Willn nix mehr,
um's Handumdráhn hast scho' was g'sagt,
des was dá ander net vertragt.

Und oiwei bleamen s' oan des ein,
es soll dá Mensch friedferti' sein.
Ih gib má ja mit'n Friedn á Miah,
á Fertigkeit kriag ih da nia.
Kám dáß ih moa, hiazt sitzt de Lehr,
kimmt má scho wieder was dáquer.

Má red't áh in dá Weihnachtszeit
vá Demut und Friedfertigkeit
und ih bemiah mih im Ádvent,
dáß mir nix über d'Leber rennt
und richt á kloane Bitt' an d'Leit:
Helfts má bá dá Friedfertigkeit!